Begünstigt durch die Pandemie und das haptische Erlebnis von Print bleiben die Verkaufszahlen gedruckter Kochbücher auf einem hohen Niveau. Das Verlagsgeschäft ist anspruchsvoll. Bestseller auf dem Belletristikmarkt kommen und gehen. Dabei lässt sich oft kaum vorhersagen, warum ein Buch erfolgreich wird. Ebenso unklar ist, wie lange die Nachfrage anhält. Bestimmte Genres begeistern zwar dauerhaft viele Leserinnen und Leser. Dazu gehören Krimis, Thriller und Liebesromane. Gleichzeitig wechseln erfolgreiche Autorinnen, Autoren und Erzählstile jedoch ständig. Deshalb verändert sich der Markt schnell, und die Verkaufszahlen bleiben schwer vorhersehbar.
Ein Bereich des Buchmarktes widersetzt sich diesen Schwankungen allerdings: Kochbücher. Digitale Köchinnen, Köche und Backfans erreichen inzwischen Millionen Menschen. Zudem veröffentlichen sie immer häufiger neue Rezepte im Internet. Trotzdem bleiben gedruckte Kochbücher bemerkenswert erfolgreich. Viele dieser Online-Stars nutzen inzwischen selbst gedruckte Bücher, um ihre Fangemeinde zu erweitern. Print bietet eine physische Präsenz, eine einfache Handhabung und eine gewisse Beständigkeit. Dadurch können Hobbyköchinnen und Hobbyköche Rezepte leichter nachvollziehen. Außerdem eignen sich Kochbücher hervorragend als Geschenk für Freunde und Familie.
Die Zahlen sprechen für sich
Nach Angaben der Publishers Association liegen die Umsätze mit gedruckten Büchern in Großbritannien inzwischen über dem Niveau vor der Pandemie. Sie bewegen sich weiterhin nahe der Marke von vier Milliarden Pfund. Wie in vielen anderen Bereichen war die Pandemie ein wichtiger Auslöser für den Erfolg gedruckter Kochbücher. Nach den Lockdowns stiegen die Verkaufszahlen deutlich. Allein 2021 lagen sie 42 Prozent über dem Vorjahreswert. Seitdem hat sich dieser positive Trend weitgehend fortgesetzt. Restaurants waren geschlossen, und viele Menschen verbrachten mehr Zeit in der eigenen Küche. Dadurch entdeckten Millionen ihre Freude am Kochen zu Hause neu.
Aktuell steht Jamie Oliver’s BBQ weit oben in den Ratgeber-Charts von NielsenIQ. In der vergangenen Woche wurden fast 5.000 Exemplare verkauft. Damit verkaufte sich das Buch besser als neun der zehn führenden gebundenen Romane. Weitere erfolgreiche Kochbücher sind Jane’s Patisserie Everyday von Jane Dunn und The Batch Lady Rapid Dinners von Suzanne Mulholland. Hinzu kommen Protein in 15 von Joe Wicks sowie die dauerhaft erfolgreiche Reihe Pinch of Nom. Alle diese Bücher bieten einfache und leicht verständliche Rezepte. Zudem können sich die Leserinnen und Leser auf die Inhalte verlassen. Ein vergleichbares Qualitätsniveau ist im Internet oft schwer zu finden.
„Die Menschen wünschen sich weiterhin hochwertige Produkte. Gleichzeitig gibt es weltweit viele ungeprüfte Inhalte von geringerer Qualität“, sagt Jennifer Sit. Sie ist Editorial Director bei Clarkson Potter, einem US-Verlag für Koch-, Design- und Lifestylebücher. „Deshalb wird es immer wichtiger, auf vertrauenswürdige Quellen zurückzugreifen. Diese Inhalte haben einen gründlichen redaktionellen Prozess durchlaufen und wurden auf unterschiedliche Weise geprüft.“
Eine Welt voller Geschmack
Neben dem Vertrauen ist auch die physische Form entscheidend für den Erfolg gedruckter Kochbücher. Ihr haptisches Erlebnis lässt sich online nicht nachbilden. Gleichzeitig passt es hervorragend zum Kochen, das ebenfalls stark von Berührung und praktischer Arbeit geprägt ist. Viele Menschen legen ein Kochbuch gerne auf die Arbeitsfläche. So können sie schnell zwischen verschiedenen Seiten wechseln. Außerdem müssen sie nicht mit mehligen Händen über einen Bildschirm scrollen.
Gedruckte Kochbücher eröffnen darüber hinaus den Zugang zu anderen Kulturen. Sie führen weit über die traditionelle britische Küche hinaus. Bilder, Rezepte und persönliche Geschichten können Hobbyköchinnen und Hobbyköche in andere Länder versetzen. Dafür braucht es oft weniger Zeit, als ein Ei aufzuschlagen.