Zum diesjährigen Weltumwelttag steht der Kampf gegen Plastikverschmutzung im Fokus. Eine Lösung dafür kommt aus der Natur: neuartige Materialien auf Basis nachwachsender Rohstoffe – allen voran Holz.
„Unser Ziel ist nicht nur, fossile Materialien zu ersetzen, sondern ganz neue, hochwertige Werkstoffe zu entwickeln“, erklärt Tekla Tammelin-Peltonen, Forschungsprofessorin am VTT Technical Research Centre of Finland. Gemeinsam mit der Aalto-Universität leitet sie das Kompetenzzentrum FinnCERES, das sich auf die Nutzung von Lignozellulose – dem strukturellen Grundbaustein von Pflanzen – konzentriert. Die pflanzlichen Zellwände bieten laut Tammelin-Peltonen ein riesiges Potenzial für innovative Materialien.
Mehr Wertschöpfung aus dem Wald
Ein oft kritisierter Punkt in der Forstwirtschaft: zu wenig Produkte mit hoher Wertschöpfung. Dabei liegt genau dort eine große Chance. „Würden wir nur ein Viertel des exportierten Zellstoffs weiterverarbeiten, könnten wir allein in Finnland rund drei Milliarden Euro zusätzlich erwirtschaften“, so Tammelin-Peltonen. Besonderes Potenzial sieht sie im Nebenprodukt Lignin, das bislang meist zur Energiegewinnung genutzt wird. Bis zu 40 Prozent davon könnten künftig in langlebige Materialien umgewandelt werden – mit doppeltem Effekt: Speicherung von Kohlenstoff und Reduktion fossiler Ressourcen. Ligninbasierte Lösungen können zudem Wasser und Chemikalien in Herstellungsprozessen einsparen – und so auch zur Bekämpfung der globalen Plastikflut beitragen.
Nachhaltige Lösungen ohne zusätzlichen Holzeinschlag
Laut dem Forest Bioeconomy Science Panel lassen sich viele Innovationen entwickeln, ohne die Wälder stärker zu belasten – etwa durch effizientere Nutzung von Nebenströmen und bestehendem Material. „Wir müssen den Wald ganzheitlich denken – als Ressource, die wir nutzen, aber auch schützen“, betont Tammelin-Peltonen, die auch stellvertretende Vorsitzende des Panels ist.
Von Origami-Verpackungen bis Textilfasern aus Holz
Bei einem Bioökonomie-Seminar in Brüssel stellte FinnCERES kürzlich seine Innovationen vor – viele davon sind derzeit in der New Wood-Ausstellung der EU-Kommission zu sehen. Einige Produkte sind bereits marktreif oder werden gerade hochskaliert. Ein Blickfang: eine umweltfreundliche Flasche, geschützt durch gefaltete Kartonverpackung aus dem Fold-Projekt. Sie zeigt, wie vertraute Materialien neu gedacht werden können – als Ersatz für Styropor und andere Kunststoffe. Ebenso vielversprechend: ligninbasierte Klebstoffe und Beschichtungen, die nicht nur fossile Alternativen ersetzen, sondern auch gesundheitlich unbedenklicher sind – z. B. im Möbelbau. Auch holzbasierte Textilien beeindrucken durch geringeren Chemikalien- und Wasserverbrauch sowie eine bessere Färbbarkeit. „Wir sehen gerade erst den Anfang“, sagt Tammelin-Peltonen. „Von plastikfreien Verpackungen bis zu neuen Fasern – die Liste nachhaltiger Holzinnovationen wird täglich länger.“