Der Übergang von Kunststoff zu faserbasierten Verpackungen schreitet weiter voran. Inzwischen stehen auch starre Kunststoffverschlüsse und Tuben für Pharma- sowie Kosmetikprodukte im Fokus.
In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Verpackungsbranche stark verändert. Papier- und faserbasierte Lösungen haben zahlreiche Kunststoffanwendungen ersetzt. Viele Verbraucher haben diesen Wandel kaum bemerkt. Dennoch werden heute Millionen von Produkten in faserbasierten Verpackungen angeboten. Dazu zählen beispielsweise Chips, Süßigkeiten, Kleidung und sogar Matratzen.
Eine der letzten Kunststoff-Herausforderungen
Bislang gab es jedoch Verpackungsbereiche, die sich nur schwer ersetzen ließen. Dazu gehören insbesondere starre Kunststoffkomponenten wie Flaschenverschlüsse und Tuben für Medizin-, Kosmetik- und Pflegeprodukte. Diese Anwendungen stellen hohe Anforderungen an Funktionalität, Sicherheit und Produktschutz.
Doch auch hier entstehen zunehmend Alternativen. Dadurch rückt selbst dieser traditionell kunststoffbasierte Bereich näher an eine faserbasierte Zukunft.
Verschlüsse im Fokus
Schraubverschlüsse für Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zählen zu den am häufigsten genutzten Kunststoffkomponenten im Alltag. Entsprechend groß ist das Marktpotenzial. Allein in Europa wurde der Markt für Verschlüsse und Deckel 2023 auf rund 15,5 Milliarden Pfund geschätzt. Bis 2032 soll er laut Fortune Business Insights auf etwa 26 Milliarden Pfund anwachsen.
Gleichzeitig gewinnen faserbasierte Alternativen an Bedeutung. Sie könnten künftig einen relevanten Anteil dieses Marktes übernehmen.
Ein Beispiel dafür sind die Dry Molded Fiber Caps von PulPac. Die Verschlüsse wurden entwickelt, um die Anforderungen herkömmlicher Kunststofflösungen zu erfüllen. Sie bieten unter anderem einen präzisen Gewindeeingriff, zuverlässige Öffnungs- und Schließmechanismen sowie eine funktionale Dichtungsarchitektur. Darüber hinaus ermöglichen sie eine hochwertige Haptik und flexible Gestaltungsmöglichkeiten. Unternehmen können die Außenseite bedrucken und so ihre Markenpräsenz stärken.
„Wenn wir Kunden den Verschluss zeigen, sagt ihre Reaktion viel aus“, erklärt Charlotte Walldal, Chief Technology Officer bei PulPac. „Oft können sie kaum glauben, dass er aus Fasern besteht. Vor allem die Haptik stellt die Erwartungen an dieses Material infrage.“
Auch Tuben werden papierbasiert
Neben Verschlüssen gelten Tuben als eine weitere anspruchsvolle Verpackungsanwendung. Besonders Kosmetik- und Beautyprodukte stellen hohe Anforderungen an Material und Barriereeigenschaften. Schließlich müssen Verpackungen Öle, Fette und andere Inhaltsstoffe zuverlässig schützen.
Dennoch entstehen auch in diesem Bereich neue Lösungen. So gehörte die Helicot Paper Tube von Veritiv zu den Finalisten der Sustainability Awards 2025. Nach Angaben des Unternehmens besteht die Lösung zu über 80 Prozent aus Papier und biologisch abbaubarem PHA. Zudem ist sie recycelbar, kompostierbar und unter verschiedenen Bedingungen biologisch abbaubar. Damit bietet sie eine Alternative zu herkömmlichen Kunststofftuben.
Auch Neopac treibt die Entwicklung voran. Das Unternehmen stellte kürzlich seine PaperX FibreTop Tube vor. Die Tube wurde als technisch recycelbar im bestehenden Papierkreislauf zertifiziert und erfüllt die Anforderungen des CEPI/4evergreen Recyclability Protocol 2025. Darüber hinaus verfügt sie über einen Faseranteil von 85 Prozent und besteht aus FSC-zertifizierten, lebensmitteltauglichen Materialien.
„Diese Zertifizierung bestätigt, dass wir mit unserer PaperX-Technologie das richtige Gleichgewicht zwischen Produktschutz, Design und Nachhaltigkeit erreichen können“, sagt Dr. Philippe Kern, Director of R&D and QM bei Neopac.
Der Trend hält an
Die Entwicklung zeigt, wie weit die Papierisierung inzwischen fortgeschritten ist. Immer mehr Verpackungsanwendungen, die lange als schwer ersetzbar galten, erhalten faserbasierte Alternativen.
Und selbst dort, wo heute noch keine marktreife Lösung verfügbar ist, wird intensiv geforscht. Deshalb spricht vieles dafür, dass die Rolle von Fasern in der Verpackungsindustrie auch in Zukunft weiter wachsen wird.



