Das vergangene Jahr hat für viele Unternehmen und Branchen große Umwälzungen mit sich gebracht. Einige, wie z. B. E-Commerce, Lebensmitteleinzelhandel oder Online-Videos haben einen wahren Boom erfahren, während andere, wie z. B. die Reise-, Hotel- und Unterhaltungsbranche, zu kämpfen hatten. Ein überraschender Gewinner ist jedoch die Lokalzeitung.
Vor achtzehn Monaten sah die Zukunft für Lokalzeitungen auf der ganzen Welt noch düster aus – und das ohne eine Pandemie, mit der man zu kämpfen hatte. Während die Kosten für Redaktionen, Druck und Vertrieb stiegen, sanken die Leserzahlen und die Werbeeinnahmen. Es gab viele Pläne, die Online-Aktivitäten zu monetarisieren, aber angesichts der starken Konkurrenz durch die digitalen Giganten der sozialen Medien und der Suchmaschinen druckten viele Zeitungen ihre letzten Ausgaben, und viele andere sollten ihnen folgen.
Die explosionsartige Verbreitung von Fake News führte jedoch zu einer globalen Misstrauenskultur, wobei die Online-Medien, insbesondere die sozialen Netzwerke, die Hauptlast dieses Misstrauens trugen. Die Menschen brauchten Informationen über die Pandemie, Informationen, denen sie vertrauen und nach denen sie handeln konnten. Deshalb haben sich viele wieder den herkömmlichen Medien zugewandt. Besonders die Lokalzeitung erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Lokale Nachrichten für lokale Menschen
Ein neuer Bericht hat diesen Umschwung verdeutlicht: Lokale Zeitungen gelten heute in sechs Schlüsselkategorien als die beste Nachrichtenquelle. Die Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism ergab, dass sie als beste Quelle für lokale Bekanntmachungen (48 %), lokale Kriminalität (31 %), lokale Wirtschaft (30 %), lokale Politik (29 %), lokalen Sport (27 %) sowie Schule und Bildung (22 %) angesehen werden.
Eines der Länder, in denen Lokalzeitungen am meisten geschätzt werden, ist Norwegen, wo 53 % der Befragten angaben, dass lokale Medien die beste Informationsquelle für Covid-19 darstellen. Weitere Themen, für die die Norweger ihre Lokalpresse schätzten, waren Kriminalität (73 %), Politik (71 %), Freizeitaktivitäten (46 %) und der lokale Arbeitsmarkt (33 %).
Eine unverzichtbare Dienstleistung
Die Vorliebe für Lokalzeitungen findet sich auch in anderen Ländern wieder. Eine aktuelle Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Deutschland ergab, dass Zeitungen nach dem Fernsehen das glaubwürdigste Medium sind, wobei das Vertrauen umso größer ist, je lokaler der Titel ist. Während 56 % der Bevölkerung überregionale Zeitungen für vertrauenswürdig halten, sind es bei den regionalen Tageszeitungen sogar 63 %. In Frankreich verzeichnete die französische Gruppe der Regionalzeitungen (PQR) im Jahr 2020 einen Anstieg der Abonnements und eine erhöhte Nachfrage seitens der Anzeigenkunden.
Ein Blick auf die andere Seite der Welt zeigt, dass die lokale Zeitungsindustrie dort fast noch beliebter ist. Eine Umfrage einer Gruppe australischer Universitäten und Berufsverbände ergab, dass Zeitungsleser in ländlichen und regionalen Gebieten Australiens mit fünfmal höherer Wahrscheinlichkeit direkt zu ihrer Lokalzeitung gehen als zu Google oder Facebook, um lokale Informationen zu erhalten.
Country Press Australia fand außerdem heraus, dass die Mehrheit der Befragten (71 %) ihre Lokalzeitung lieber in gedruckter Form als online lesen. 86 % der Befragten betrachten eine gedruckte Ausgabe ihrer Zeitung als wichtigen Service für ihre Gemeinde.
Gemeinschaftliche Unterstützung
Vielerorts auf der Welt gibt es einen klaren Bedarf an einem gut finanzierten, produzierten lokalen Pressedienst. Da eine flächendeckende Internetverbindung noch immer nicht gegeben ist, muss dieser Dienst auch eine gedruckte Ausgabe umfassen. Mehr denn je müssen die Gemeinden Zugang zu einer vertrauenswürdigen und zuverlässigen Nachrichtenquelle haben, nicht nur, um sie über ihr lokales Umfeld zu informieren, sondern auch, um ihnen bei der Bewältigung der Pandemie wichtige Orientierungshilfen und Gesundheitsratschläge zu geben.
Eine kürzlich von Two Sides durchgeführte Studie ergab, dass 33 % aller Befragten im Vereinigten Königreich und 54 % der über 65-Jährigen ihre Zeitungen lieber in gedruckter Form lesen. 37 % ziehen es vor, Zeitschriften und 50 % Bücher in gedruckter Form zu lesen. Es sind die jüngeren Generationen, die sich heute für digitale Geräte entscheiden, wenn sie Nachrichten abrufen oder sich mit lesen die Zeit vertreiben möchten.
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